Der Ballungsraum Stockholm hat fast 2 Millionen Einwohner und bezeichnet sich stolz als Hauptstadt Skandinaviens. Die Stadt erstreckt sich über 14 Inseln und nennt einen der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Europas (die Insel Gamla stan) ihr eigen. Sie gilt als eine der schönsten Städte der Welt.
Drei Jahre werde ich hier leben und arbeiten. In diesem Blog schreibe ich über meine Erlebnisse in Schweden.
Morgen geht es für knapp zwei Wochen gen Süden, Motorrad fahren im Schwarzwald und in den Vogesen, dazwischen ein KTM Race Orange Day auf der Rennstrecke in l'Anneau du Rhin (wo ich die neue KTM 1190 RC8 R probieren werde!). Zurück in Stockholm am 15. Juli.
Seit einer Woche herrscht Hochsommer in Stockholm; ich komme erst jetzt dazu die Bilder vom Harbour Race des Volvo Ocean Race einzustellen. Wir haben das Spektakel vom Ufer der Insel Värmdö verfolgt. Inmitten von hunderten von Booten und Yachten mit Zuschauern wurden am Sonntag zwei Wertungsläufe gesegelt.
Hier verfolgt Team Puma das Boot Telefonice Blue im Kampf um den zweiten Platz im Gesamtklassement.
Kühl, windig und gelegentliche Regenschauer: Midsommar 2009 hatte mit Sommer wenig zu tun. Wir haben den Tag aud Djurgården verbracht und schliesslich auf Gamla stan zum Abschluss gebracht.
Hoffentlich bessert sich das Wetter bis morgen, wenn das Hafenrennen des Volvo Ocean Race stattfindet.
Seit einigen Wochen laufen die schwedischen Abiturfeiern. Ein Gymnasium nach dem anderen entlässt seine Schüler in ihren traditionellen weissen Studentmössan (Studentenmützen); die frischgebackenen Abiturenten mieten sich dann gewöhnlich einen LKW, um sich laut feiernd und schreiend auf der Ladefläche durch Stockholm chauffieren zu lassen. Höhepunkt der Fahrt ist die mehrfache Umrundung des Kreisverkehrs am Sergels Torg, gleich vor unserem Bürogebäude.
Vor einiger Zeit bin ich in ein anderes Büro umgezogen, vom neuen Platz habe ich nun beste Aussicht und kann dem Treiben genau zuschauen. Da die Schulen scheinbar auch einen Wettbewerb um die lauteste Musikanlage auf ihrem LKW austragen, ist Konzentration dieser Tage eher Glücksache....
Bruce Springsteen hat seit vielen Jahren eine ganz besondere Beziehung zu Stockholm. Während meiner 19 Monate hier war er bereits drei mal zu Besuch. Heute Abend war Auftakt vor 33.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion, am Samstag und Sonntag folgen dann noch zwei weitere Konzerte an gleicher Stelle.
Letztes Wochenende mussten die Marathonläufer noch unter Temperaturen von fast 30 Grad leiden, heute war Open Air bei knapp 10 Grad und Nieselregen. Also haben wir uns mit langen Unterhosen, dicken Fliesspullis, Regenjacken und Handschuhen auf den Weg gemacht. Der Boss und die E-Street Band waren bester Stimmung und haben uns fast drei Stunden lang was vorgerockt. Daß er dabei seinen grössten Hits ("Born In The USA", "Hungry Heart", "I'm On Fire", "Streets Of Philadelphia" und "The River") nicht gespielt hat zeigt nur welch ein enormes Repertiore der Mann hat - wir sind auf jeden Fall bestens unterhalten worden.
Paul Kipkemei Kogo aus Kenia, der Sieger des heutigen Stockholm Marathons, lief die 42,195 km in 2:15:35. Bei Temperaturen von bis zu 29 Grad ein beachtliche Leistung; die restlichen 13.717 Läufer benötigten allesamt etwas länger.
Ich habe die Läuferkarawane ein wenig beobachtet, als ich heute Nachmittag von einer Motorradtour kam und habe grössten Respekt vor jedem einzelnen. Habt ihr fein gemacht!
Dieser Tage bin ich auf einen interessanten Artikel aus einer Uppsalaer Zeitung gestossen. Die dortige Polizei hat im vergangenen Jahr 100,000 Alkoholkontrollen durchgeführt. Dabei wurden die meisten Sünder morgens zwischen 9:00 und 12:00 Uhr gefasst.
Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint lässt sich leicht erklären: die schwedische Null-Toleranz-Null-Promille Regel wird im allgemeinen von den Verkehrsteilnehmern voll respektiert. Doch der kleinste Restalkohol am nächsten Morgen führt immer noch zum Führerscheinentzug, und so macht es sich die Polizei ganz einfach und kontrolliert regelmässig Samstags und Sonntags morgens vor Supermärkten, Schulen und Sportplätzen. Am Nachmittag wären die Restalkoholspuren nicht mehr nachweisbar und betrunken am Abend fährt kaum jemand. Also ist der Morgen die einzig sinnvolle "Jagdzeit" für die Polizei.
Böse Zungen behaupten, dass die Polizei besondere Anstrengungen am Morgen unternimmt um pünktlich um 16:00 Uhr Feierabend machen zu können. Aber das sind böse Zungen, wie gesagt ...
Dieses Jahr spielen vier Stockholmer Fussballmannschaften in der Allsvenskan, der höchsten schwedischen Liga. Die beiden grössten Clubs, AIK und Djurgården (DIF) pflegen eine sehr emotionale Rivalität, die ihren Höhepunkt bei den jährlichen Derbys findet. Heute war solch ein Derby-Tag und in Stockholm herrschte seit dem späten Nachmittag Ausnahmezustand mit massenhaft Polizei auf den Strassen.
Der Höhepunkt des Abends war - neben den beeindruckenden Choreographien der Fanclubs - ein sattes Traumtor aus 37 Metern von Ivan Obolo im AIK Trikot. Der Rest war fussballerische Magerkost, ein ähnlich schlechtes Spiel habe ich letztmalig in der Saison 2005/2006 gesehen, als Eintracht Trier aus der Regionalliga abgestiegen ist.
Trotz der grossen Erfolge der Nationalmannschaft hat die schwedische Liga niemals die grossen nationalen Talente halten können. Aus dem derzeitigen Aufgebot der Nationalmannschaft spielen ganze vier Spieler in der Allsvenskan, darunter zwei Rookies mit insgesamt sechs Einsätzen und die Altinternationalen Anders Svensson und Henke Larsson, die nach langen Jahren im Ausland am Ende ihrer Karriere in die schwedische Liga zurückgekehrt sind.
Auf dem obigen Zeitungsfoto sitzen Moritz, Nabil und ich im Hintergrund in der ersten Reihe genau über dem jubelnden Torschützen.
Seit ABBA 1974 den Grand Prix der Eurovision gewann hat Melodifestivalen einen ganz besonderen Status in Schweden. Der nationale Beitrag wird jährlich in einer Serie von Veranstaltungen im K.O. Prinzip in ganz Schweden ermittelt. Immerhin hat Schweden den Wettbewerb auch in 1984, 1991 und 1999 gewinnen können (drei mal mehr als Deutschland, aber einmal weniger als Luxembourg).
Nun hat die Opernsängerin Malena Ernman dieses Jahr noch schlechter abgeschnitten als Charlotte Perelli im letzten Jahr. Die Schweden waren sich ihrer Sache wieder recht sicher und fühlen sich von der Welt mißverstanden.
Ich fand den schwedischen Beitrag dieses mal deutlich weniger schrecklich als "Hero" vom vergangenen Jahr. Hier nochmal zum anschauen:
Da bin ich heute aus Zufall drüber gestolpert: ein Klassiker aus der Muppetshow.
Von 1975 bis 2008 gab es den schwedischen Koch (aus einem nicht bekannten Grund wurde in der deutschen Bearbeitung ein Däne daraus, der dann "Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm" sang). Diese Aufnahme stammt aus dem Januar 1976. Mann, haben wir damals gelacht!
Wir bewegen uns in grossen Schritten auf den Sommer zu: über Nacht sind die Kirschbäume am Kungsträdgården erblüht und die Strassencafes sind voll.
Die Tage werden jetzt schnell länger: zur Zeit geht die Sonne schon um 5:00 Uhr morgens auf, eine Stunde vorher ist es bereits taghell. Der Tag ist heute mit 15 Stunden und 24 Minuten exakt 2 Stunden länger als noch vor drei Wochen. Bis zum Midsommar in zwei Monaten kommen noch mal 3 Stunden und 20 Minuten dazu. Dann wird es gar nicht mehr richtig dunkel.
Letzten Freitag bei "Talang 2009" im schwedischen Fernsehen: vier junge Männer führen den Knäckebrot-Tanz vor, Publikum und Jury brechen vor lachen in Tränen aus... Herrlich!
Gestern morgen vor dem Nobelkaufhaus Nordiska Kompaniet: die beiden jungen Damen waren einkaufen und es war niemand da um sie abzuholen. Chauffeure sind auch nicht mehr das, was sie mal waren...
Der Tungelstavägenführt von Västerhaninge im Süden von Stockholm über 15 km wunderbare Supermotokurven bis zum Bikertreffpunkt an der Tankstelle in Rosenhill und ist meine absolute Lieblingsmopedstrecke nördlich der Eifel.
Am Samstag vor Ostern war herrlichstes Motorradwetter und ich war mit einem Bekannten zur Saisoneröffnung am Tungelstavägen. Trotz der vielen Motorräder haben wir etwas Platz zum fotografieren gefunden und Fredrik hat diese beiden schönen Fotos gemacht.
Die Sonne hat sich heute gezeigt. Durch das Bürofenster sah es nach richtigem Frühling aus, als wir jedoch gegen Mittag in Richtung Kungsträdgården gelaufen sind mussten wir feststellen, dass es doch noch etwas kühl war. Trotzdem waren die Terrassen der Cafes gut gefüllt, die Stockholmer sind den Winter satt. Die Wettervorhersage verspricht bis zu 15 Grad für die nächsten Tage, da freuen wir uns alle drauf.
Die Vorbereitungen für den Frühling laufen auf Hochtouren: überall sind die Gärtner in den Parkanlagen unterwegs, die grosse Veranstaltungsbühne am Kungsträdgården wurde heute vom Winterschutz befreit und die Ausflugsschiffe im Hafen werden auf Hochglanz gebracht.
Ich hoffe es hält bis zum Wochenende, die KTM will bewegt werden.
Dawit Isaak ist ein schwedischer Jounalist, der im September 2001 in Eritra verhaftet wurde weil er sein Recht auf freie Meinungsäusserung in Anspruch genommen hat. Seit über 2700 Tagen sitzt Dawit Isaak ohne Anklage und ohne Verurteilung in Einzelhaft, während seine Kinder in Göteborg ohne Vater aufwachsen. Laut Reporter ohne Grenzen nimmt Eritrea in der Rangliste der Pressefreiheit den letzten Platz ein – hinter Turkmenistan und Nordkorea.
Nun haben sich die Chefredaktuere der vier grössten schwedischen Tageszeitungen zusammengetan und die gemeinsame Initiative Free Dawit gestartet mit dem Ziel öffentlichen Druck auf die schwedische Regierung auszuüben, damit man sich besser für Dawit Isaak einsetzt.
Hier werden Namen von Unterstützern gesammelt, die Liste wird am 4. Mai der eritreischen Botschaft in Stockholm übergeben.
Vor ein paar Minuten ging das Endspiel der schwedischen Bandy Meisterschaft zu Ende. In einem dramatischen Finale gewann Västerås 5:4 gegen Edsbyns, den Serienmeister der letzten fünf Jahre. Aber das habt ihr ja sicher selbst verfolgt. Nein? Bandy kennt ihr nicht? Achso, da muss ich wohl ein wenig Entwicklungshilfe leisten.
Bandy wird mit Schlittschuhen auf Eis gespielt, dabei wird das Spielgerät mit einem Schläger bewegt. Damit haben sich die Ähnlichkeiten mit Eishockey aber auch schon, der Rest hört sich eher nach Fussball an: ein Ball, 11 Spieler pro Mannschaft, der Tormann darf mit den Händen ran und das Spielfeld hat in etwa die gleichen Masse wie ein Fussballplatz (meist wird es in Fussballstadien gespielt). Seit 1907 wird der schwedische Meister herausgespielt, mittlerweile sind die Spieler Vollprofis. Bandy ist in Schweden nach Fussball und Eishockey Eishockey und Fussball die drittgrösste Mannschaftssportart.
Von den 29 Weltmeisterschaften seit 1957 hat Russland 19 gewonnen, Schweden 9 (plus 14 zweite Plätze) und Finnland eine. Bandy ist eine vom IOC anerkannte Sportart, bei den Winterspielen von Oslo 1952 war es eine der Demonstrationsportarten (Schweden gewann). Der Federation of International Bandy gehören heute 27 Nationalverbände an, unter anderem aus Argentinien, China, Indien, Italien, der Mongolei und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Deutschland scheint es keine ernsthaften Spiele zu geben.
Hier die letzten Spielszenen aus dem schwedischen Fernsehen:
Die schwedichste aller Eigenarten ist der Konsum von Snus, einer Art Kautabak. Heutzutage wird er meist in Portionsbeuteln - ähnlich kleinen Teebeuteln - angeboten. Diese werden unter die Oberlippe geschoben und geben das enthaltene Nikotin über die Mundschleimhäute an den Organismus ab. Früher war Snus loose verpackt und wurde nach Genuss im weiten Bogen ausgespuckt, was dekorative Spuren besonders auf Zähnen und Kleidungsstücken hinterliess. Der grösste Hersteller Swedish Match AB hat im letzten Jahr ca. 240 Millionen der kleinen Döschen im Wert von 800 Millionen Euro abgesetzt, das sind fast 100 Euro pro Einwohner in Schweden.
Schweden hat heute die geringste Raucherquote in Europa: nur 12% der Männer und 16% der Frauen rauchen; während 19% und 4% respektive Snus benutzen. Nicht die ganze Welt teilt die schwedische Vorliebe für Snus; in der EU und in Kanada ist der Verkauf untersagt.
Doch auch Snus wird mit Krebs in Verbindung gebracht und den typischen Nutzer erkennt man an der aufgedunsenen Oberlippe - auch wenn Swedish Match dieses Problem erkannt und deshalb die Portionsbeutel verkleinert hat.
Während der letzten sechs Monate hat die schwedische Krone gegenüber dem Euro um ca. 20% abgewertet. Das ist gut für Schweden als exportorientiertes Land; schwedische Waren sind nun auf dem Weltmarkt billiger. Ausserdem macht es Schweden - neben England und den osteuropäischen Ländern - zum interessanten Ziel für Einkaufsausflüge aus Euroland.
Ich sehe das natürlich aus einem etwas anderen Blickwinkel: Da ich in Kronen bezahlt werde, hat sich mein Einkommen in Euro um 20% verringert. Autsch, das tut weh.
AC/DC in Stockholm: Um 20:27 Uhr fuhr der Rock'n'Roll Train ein, knapp zwei Stunden Rock-Klassiker mit Angus und Co. standen auf dem Programm. Der Globen war restlos ausverkauft (14,500 Besucher) und mittendrin die Eisfischer aus der Eifel. Ein etwas anderes Karneval Erlebnis.
Anschliessend viele glückliche Gesichter, das war großartig. Mehr tolle Konzertfotos in der Galerie. Dazu noch ein kleines Filmchen:
Geboren und ziemlich gross geworden bin ich in und um Bitburg in der Eifel. Später habe ich in Trier und in Luxembourg gelebt, seit Ende 2007 in Stockholm.
Meine Freizeit verbringe ich vorzugsweise mit guten Freunden und auf Reisen, gerne mit Motorrad.
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