Freitag, 26. Februar 2010

Stockholm taut auf

Nach zweieinhalb Monaten Dauerfrost sind die Temperaturen heute erstmals wieder über Null gestiegen. Bereits früh heute morgen ging eine mittelgrosse Lawine vom Dach unseres Hauses (6 Stockwerke) herab; heute abend liegen die Gehwege voller zersplitterter Eiszapfen und Schneehaufen. Hoffentlich ist niemand verletzt worden.

Eine weitere Folge des ralativ warmen Wetters waren Nebelfelder, die dann wiederum für grosses Chaos am Flugplatz Stockholm-Skavsta sorgten. So fiel mein geplanter Wochenendtrip nach Deutschland nicht dem Frost, sondern dem Tauwetter zum Opfer.

Bin gerade noch rechtzeitig nach Hause gekommen um die Hockeyschmach der Finnen im Halbfinale gegen die USA mit zu erleben: nach 12 Minuten liegt man bereits 0:6 zurück! Welche Blamage. Damit wäre dann die Hackordnung an der Ostsee wieder hergestellt.

Hoffentlich taut meine Satelittenantenne rechtzeitig zur Sportschau morgen wieder auf!
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Donnerstag, 25. Februar 2010

Drama!

Die Sensation bei Olympia: Schweden verliert das leicht geglaubte Eishockey Viertelfinale gegen die Slowakei mit 3:4!
Drama, Schmerz! Nun soll es der Trainer Schuld sein und die Spieler werden als Versager beschimpft.

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Vinter OS i Vancouver


Die Olympischen Winterspiele (Vinter OS) in Vancouver geniessen einen sehr hohen Stellenwert in Schweden - man ist in vielen Sportarten Weltspitze und geniesst das entsprechend. Besonders interessant finde ich die spannenden Radio Reportagen auf SR P4, die Reporter sind sehr emotional und fiebern mit jedem schwedischen Sportler. Wer mal reinhören will: alles wird im Internet übertragen. Besonders empfehlenswert sind die Eishockey Spiele mit schwedischer Beteiligung. Tipp: morgen früh geht es ab 6 Uhr gegen die Slowakei.

Das Video oben zeigt die beiden Radio Reporter Mats Dahlberg und Torgny Svensson vor und während Anja Pärsons Horrorcrash in der Damen Abfahrt

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Mittwoch, 24. Februar 2010

Schweden ist Internetweltmeister

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) der Vereinten Nationen (Hand hoch wer wusste, dass es so was gibt) hat eine Rangliste der modernsten Länder in Bezug auf Telekommunikation herausgegeben. Und wer findet sich auf Platz 1? Natürlich Schweden. Und auf Platz 2 kommt Luxembourg. Folgen die meinen Spuren?

Spass beiseite, Schweden hat wirklich trotz der riesigen Fläche eine bemerkenswerte Internet Infrastruktur. Man kann flächendeckend UMTS (7,2 oder 14,4 Mb/s) empfangen und meine 50/10 Mb/s bredband Leitung ist nichts aussergewöhnliches, man kann im Ballungsgebiet Stockholm (Storstockholm) überall das doppelte bekommen.
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Montag, 22. Februar 2010

Stockholm kapituliert

Heute morgen ist der Lokaltrafik (Öffentlicher Nahverkehr) fast vollständig zusammen gebrochen. Die tunnelbana fährt nur noch im engeren Stadtzentrum und die S-Bahnen fahren einen eingeschränkten Fahrplan. Busse ersetzen die eingestellten Schienenrouten, aber woher die Busse nehmen? Aus dem Linienverkehr.

SL rät den Stockholmern zu Hause zu bleiben: Har du möjlighet att undvika rusningstrafikem eller arbeta hemifrån kan det vara bra att överväga att göra det (Wer die Möglichkeit hat dem Berufsverkehr auszuweichen oder von zu Hause aus zu arbeiten sollte sich überlegen das zu tun).

Ich glaube die Stockholmer werden dieser Aufforderung gerne nachkommen und die Liveübertragung des Ishockey Spiels gegen den Erzrivalen Finnland zu Ende schauen. Tre Kronor führt mit 3:0 nach dem zweiten Drittel.
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Sonntag, 21. Februar 2010

Jag vägrar vintern!

Noch mehr Schnee. Mittlerweile liegt ein kanpper Meter Schnee auf meiner Dachterasse, mein Schlafzimmerfenster (geht nach aussen auf) kann ich schon seit zwei Monaten nicht mehr öffnen und seit gestern - zum Glück erst kurz nach der Sportschau - ist meine Satelittenantenne im Schnee versunken und hat den Dienst aufgegeben. Und draussen fängt es gerade wieder an zu schneien.

Ich hab es satt und meine Entscheidung ist gefallen: ich werde den Winter verweigern! Gleich morgen früh such ich mir aus der Liste der 250 schwedischen Behörden das Winteramt (Vinterverket) aus und werde meine Verweigerung zu Protokoll geben. Dass ich da nicht schon früher drauf gekommen bin...


Jag vägrar vintern - Ich verweigere den Winter.
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Samstag, 20. Februar 2010

Jantelagen

Die kulturellen Unterschiede zwischen Skandinavien und dem Rest der Welt in einem einzigen Wort? Jantelagen (Das Jante Gesetz).

Das Jante Gesetz geht auf den dänischen Schriftsteller Aksel Sandemose zurück, der den Begriff in seinem 1933 erschienen Roman En flyktning krysser sitt spor (Ein Flüchtling kreuzt seine Spur) geprägt hat. Dabei handelt es sich um die "Zehn Gebote Skandinaviens":

  1. Du skall inte tro att du är något.
    Du solltest nicht glauben, dass du etwas darstellst.
  2. Du skall inte tro att du är lika god som vi.
    Du solltest nicht glauben, dass du so genauso gut bist wie wir.
  3. Du skall inte tro att du är klokare än vi.
    Du solltest nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
  4. Du skall inte inbilla dig att du är bättre än vi.
    Du solltest dir nicht einbilden besser zu sein als wir.
  5. Du skall inte tro att du vet mer än vi.
    Du solltest nicht glauben, dass du mehr weisst als wir.
  6. Du skall inte tro att du är förmer än vi.
    Du solltest nicht glauben uns überlegen zu sein.
  7. Du skall inte tro att du duger till något.
    Du solltest nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
  8. Du skall inte skratta åt oss.
    Du solltest nicht über uns lachen.
  9. Du skall inte tro att någon bryr sig om dig.
    Du solltest nicht glauben, dass sich jemand um dich kümmern wird.
  10. Du skall inte tro att du kan lära oss något.
    Du solltest nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.
Das Jante Gesetz ist die Bibel der politischen Korrektheit und zieht sich wie ein roter Faden durch den Alltag; es vergeht kein Tag an dem ich nicht über den schwedischen Gleichheitswahn schmunzle (oder mich ernsthaft darüber ärgere).

Im Roman wird später noch ein elftes Gebot erwähnt:  
Tror du inte att vi vet något om dig? (Glaubst du nicht, dass wir etwas über dich wissen?). Stimmt, die Privatsphäre gilt sehr wenig hier.

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Donnerstag, 18. Februar 2010

Ich hätte da mal 'ne Frage

Bereits seit 1950 besitzt Stockholm eine U-Bahn, auf schwedisch tunnelbana. Das Streckennetz erstreckt sich über 108 km und im Jahr 2007 haben über 300 Millionen Passagiere die 100 Stationen benutzt. Bei knapp 2 Millionen Einwohnern im Grossraum Stockholm macht das über 150 Fahrten pro Kopf und Jahr - Weltrekord.

Viele der Bahnhöfe sind von Künstlern verschönert und so wird die tunnelbana oft als die grösste Kunstgalerie Europas bezeichnet. Ich wollte schon lange mal einen Fototrip in den Untergrund organisieren, dazu hoffentlich demnächst mehr.

Aber nun zu meiner Frage: laut Website des tunnelbana Betreibers Storstockholms Lokaltrafik (SL) wird die neueste Generation von Zügen weitestgehend elektronisch ferngesteuert, der Fahrer überwacht lediglich das Schliessen der Türen und gibt das Anfahrsignal. Warum schafft es dann die tunnelbana niemals ohne eine zwischenzeitliche Vollbremsung von einem Bahnhof zum nächsten? Es gibt ja schliesslich keine Fussgängerüberwege oder Wildwechsel/Elchwechsel.
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Dienstag, 16. Februar 2010

König Adolf Fredrik und die 14 Semlor

Heute ist Fettisdagen (Fastnachtsdienstag) und da isst man in Schweden Semlor oder Hetvägg, ein mit Mandelmasse und sehr süsser Sahne gefülltes Hefegebäck. Traditionell wurden Semlor am letzten Tag vor Beginn der Fastenzeit gegessen, heute erscheinen sie jedoch schon gleich nach Weihnachten in den Bäckereien und sind bis Ostern erhältlich. Die traditionelle Darreichung ist in einem tiefen Tellen in warmer Milch schwimmend, aber das ist mir zu matschig.

Aus dem Jahr 1771 ist ein besonderer Zwischenfall am Fettisdag überliefert: König Adolf Fredrik feierte seine Rückkehr von einem längeren Kuraufenthalt mit einer königlichen Mahlzeit aus Bückling, Kaviar, Hummer und einem Gericht aus Sauerkraut mit gekochtem Fleisch und Steckrüben. Und weil gerade Fettisdagen war, gab es natürlich des Königs liebste Nachspeise: Semlor. Der König verspeiste vierzehn Semlor in warmer Milch und trank dazu eine Flasche Champagner. Einige Stunden später wurde seine Majestät von Magenkrämpfen und Unwohlsein befallen, erlitt schliesslich einen Schlaganfall und verstarb. Im Bulletin des Hofes hiess es später: "Hans Majestäts dödsfall har skett av indigestion av hetvägg, surkål, rofvor, hummer, kaviar, böckling och champagnevin" ("Der Todesfall ihrer Majestät ist auf Magenverstimmung nach Verzehr von Semlor, Sauerkraut, Rüben. Hummer, Kaviar, Bückling und Champagner zurückzuführen").
Hört sich aber eigentlich doch alles recht lecker an, oder? Ich hätte vielleicht die Rüben weg gelassen.

Drüben bei Herbert Kårlin findet sich eine sehr schöne Semlor Backanleitung.
Foto: Frugan
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Sonntag, 14. Februar 2010

Svenska rallyt 2010

Kalt war es, sehr sehr kalt. Und mächtig viel Schnee liegt in Värmland rum. Aber es war trotzdem ein sehr unterhaltungsreiches Wochenende.

Das Landleben in Schweden hält ausser Landschaft nicht besonders viele Attraktionen bereit; Svenska rallyt (Die Rallye Rally Schweden) ist eine der grossen Ausnahmen. Sie wird bereits seit 1950 gefahren und besitzt seit 1973 WM Status. Dabei war sie bis vor drei Jahren die einzige Rally, die auf Schnee gefahren wurde. Seit 2008 wird sie nur noch alle zwei Jahre im Wechsel mit der Rally Norwegen veranstaltet. In ihrer langen Geschichte wurde sie erst ein einziges Mal von einem nicht-nordischen Fahrer gewonnen: Sebastien Loeb schrieb sich 2004 in die Siegerliste ein. Heuer gewannen die Finnen Hirvonen/Lehtinen auf Ford Focus RS vor Loeb/Elena (Citroën C4) und Latvala/Anttila (Ford Focus RS).

Kurios: Trotz des Untergrundes aus Schnee und Eis ist die Schwedenrally eine der schnellsten Weltmeisterschaftsrallys. Die Kombination aus Spikes-Reifen und festen Schneewänden am Rande der Fahrbahn lässt die Autos wie auf Schienen fahren.

Hier geht's zu meinen Fotos.
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Freitag, 12. Februar 2010

Auf nach Hagfors!


Größere Kartenansicht
Gleich geht's los nach Hagfors in Värmland, wo dieses Jahr wieder der schwedische Lauf zur Rallye Weltmeisterschaft stattfindet. Wir waren bereits vor zwei Jahren dort, als die komplette Rallye wegen Schneemangel auf Schotter gefahren werden musste. Das wird dieses Mal ganz anders.....
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Montag, 8. Februar 2010

Vem betalar för din resa?


Gerade entdeckt: www.planka.nu. Die Website setzt sich für kostenlosen und selbstverwalteten öffentlichen Nahverkehr ein und propagiert schwarzfahren als Mittel um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Als besonderes Extra bietet planka.nu eine Schwarzfahrer-Versicherung an: gegen einen Monatsbeitrag von 100 Kronen übernimmt man etwaige Bussgelder.

Auch die Gegenseite ist aktiv; der Tunnelbana (U-Bahn) Betreiber SL hat eine grosse Medienkampagnie unter dem Titel Vem betalar för din resa (Wer bezahlt für deine Fahrt?) gestartet und appelliert an die Solidarität:

plankar - schwarzfahren
plankning - Schwarzfahrerei
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Donnerstag, 4. Februar 2010

Svensk vargavintern

Seit fast zwei Monaten sind die Temperaturen konstant unter Null und alle paar Tage kommt nochmal eine Ladung Schnee hinzu. Mein dritter Winter in Stockholm ist der erste, der sich diesen Namen wirklich verdient.

Gestreut wird nur mit Rollsplit und die Strassen sind höllisch glatt. Noch gefährlicher sind die Fusswege. Der Schnee ist mittlerweile zu stellenweise 10 cm hohem Eis fest getrampelt und ausserdem droht Gefahr von oben: Eiszapfen und Schneelawinen. Also gilt es auf den Untergrund zu achten und Sicherheitsabstand zu den Hauswänden zu halten.

Angenehm sind die beheizten Gehwege im Stadtzentrum, hier sind die Wege bereits kurze Zeit nach jedem Schneefall wieder frei und trocken. Mal schauen wie lange sich die Stadt den Luxus noch leisten kann.

Svensk vargavintern bedeutet "Der richtig kalte schwedische Winter".
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Montag, 1. Februar 2010

Achtung, Kontrolle!

Ich sitze gerade am Flughafen Frankfurt Hahn und warte auf meinen etwas verspäteten Ryanair Flug zurück nach Stockholm Skavsta. Heute hat sich der Flugplatzbetreiber ein ganz besonders schönes Unterhaltungsprogramm ausgedacht: Handgepäckkontrolle.

Zu diesem Zweck tauchten eben zwei Hunsrücker Backfische auf, die kein Wort Englisch sprechen. Dann wurden alle Fluggãste im Kommandoton aufgereiht und mussten ihr Handgepäck wiegen lassen. Gepäckstücke unter 10 kg wurden mit einem kleinen grünen Punkt verziert, der zur Mitnahme berechtigt. Alsbald erschien eine Dame, deren Tasche fast 15 kg auf die Wage bringt. Nun sollte sie 35 Euro fürs einchecken des Gepäckstücks bezahlen - oder umpacken. Also packte sie einige Artikel in den Koffer ihrer Begleiterin um und bestand so den Test beim zweiten Versuch. Als es dann an ihrer Bekannten war zeigte die Waage wiederum 14 Kilo an. Also wurden unter lautem Gelãchter der Umstehenden die gerade umgepackten Artikel in den ursprünglichen Koffer (bereits mit grünem Punkt versehen) zurück gepackt und der rettende Aufkleber wurde zugeteilt.

Wenig später war dann ein Mann noch pragmatischer: er nahm einige Artikel aus dem noch auf der Waage stehenden Koffer und steckte sie in seine Jackentasche. Die gestrengen Aufseherinnen waren von der gezeigten Kreativität beeindruckt und teilten den grünen Aufkleber sogleich zu - um anschliessend dabei zuzuschauen, wie der Mann alles in den Koffer zurück packte.

Das beste zum Schluss: als eine halbe Stunde später das Boarding beginnt, werden die Handgepäckstücke gar nicht auf den grünen Punkt kontrolliert. Die ganze Aufregung war vollkommen umsonst!
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Schall und Rauch

Heute abend wurde das im Dezember abgesagte Rammstein Konzert in Luxembourg nachgeholt. Grund genug für einen Wochenendtrip in die alte Heimat.

Was für eine Show; Feuerwerk und Flammen in noch nie gesehenem Ausmaß - und das in einem geschlossenem Raum. Dazu bediente die Band wie immer perfekt die gängigen Klischees um Sex und Gewalt.

Und natürlich hatten die 6500 Zuschauer Zuschauer in der restlos ausverkauften Rockhal einen grossartigen Abend.


> Bericht www.rtl.lu (auf luxemburgisch)       > Bericht Luxembourger Wort
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